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Praktisches Beispiel für den Ablauf einer Traumatherapie bei posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS)

Fallbeispiel: Tom und sein Verkehrsunfall
Hintergrund: Tom, 35 Jahre alt, hatte vor einem Jahr einen schweren Autounfall. Seitdem leidet er unter starken PTBS-Symptomen:

  • Flashbacks: Er sieht immer wieder Bilder des Unfalls vor sich, besonders wenn er Auto fährt.
  • Albträume: Er träumt oft von dem Moment des Aufpralls.
  • Vermeidungsverhalten: Er vermeidet Autobahnen und schnelle Fahrten, nimmt Umwege, um nicht an den Unfallort zu müssen.
  • Übererregung: Er ist oft angespannt, schreckhaft und kann sich schlecht konzentrieren.

Tom entscheidet sich für eine Traumatherapie, um wieder normal leben zu können.

Therapieablauf bei PTBS

Stabilisierung (Sitzung 1–5)

Bevor das Trauma direkt bearbeitet wird, hilft die Therapeutin Tom, sich emotional zu stabilisieren, um nicht von den Erinnerungen überwältigt zu werden. Dazu gehören:

  • Psychoedukation: Die Therapeutin erklärt Tom, dass seine Symptome eine normale Reaktion auf ein Trauma sind. Sein Gehirn hat die Erinnerung noch nicht richtig verarbeitet, daher kommen die Flashbacks immer wieder.
  • Ressourcenstärkung: Tom lernt, sich einen „sicheren Ort“ vorzustellen – einen Ort, an dem er sich wohlfühlt (z. B. ein ruhiger Strand). Wann immer er sich ängstlich fühlt, kann er gedanklich dorthin „reisen“.
  • Atem- und Beruhigungstechniken: Übungen wie 4-7-8-Atmung oder bilaterale Stimulation (abwechselnd die Hände auf die Oberschenkel klopfen) helfen, Anspannung zu reduzieren.
  • Distanzierungstechniken: Wenn ein Flashback kommt, stellt sich Tom vor, dass er die Szene auf einem Fernsehbildschirm sieht – mit einer Fernbedienung, um die Bilder langsamer oder kleiner zu machen.

Erst wenn Tom sich sicher genug fühlt, geht die Therapie in die nächste Phase.

Traumabearbeitung (Sitzung 6–12)

Nachdem Tom stabil ist, beginnt die eigentliche Traumaverarbeitung.

  • Option 1: EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing)
    • Tom denkt an die schlimmste Erinnerung des Unfalls, während die Therapeutin ihn mit ihren Fingern oder einem Lichtgerät durch schnelle Augenbewegungen führt.
    • Die Augenbewegungen helfen dem Gehirn, die Erinnerung wie eine normale Erfahrung abzuspeichern, statt als akute Bedrohung.
    • Nach mehreren Durchläufen wird die Erinnerung weniger intensiv – Tom kann daran denken, ohne Panik zu bekommen.
  • Option 2: Brainspotting
    • Die Therapeutin findet durch Toms Augenbewegungen den „Brainspot“ – die Blickrichtung, die seine emotionale Reaktion auf den Unfall auslöst.
    • Tom bleibt mit seiner Aufmerksamkeit bei diesem Punkt, während der Körper beginnt, das Trauma zu verarbeiten.
    • Nach mehreren Sitzungen berichtet er, dass das Bild des Unfalls verblasst und ihn nicht mehr emotional überwältigt.

Integration & Neuorientierung (Sitzung 13–18)

Nun geht es darum, dass Tom wieder nach vorne schaut und sein Leben ohne Angst gestalten kann.

  • Neue Sichtweisen entwickeln: Tom erkennt, dass er nicht „schuld“ am Unfall ist. Er sieht sich nicht mehr als Opfer, sondern als Überlebenden, der eine schwierige Situation gemeistert hat.
  • Rückkehr in den Alltag:
    • Er fährt zunächst kurze Strecken mit dem Auto, dann längere – immer mit den gelernten Entspannungstechniken.
    • Er erstellt eine Erfolgsliste, um zu sehen, wie er sich Schritt für Schritt verbessert.
  • Zukunftsgestaltung:
    • Tom setzt sich neue Ziele: Er möchte wieder ohne Angst verreisen. Die Therapeutin hilft ihm, einen Plan zu erstellen, wie er dies umsetzen kann.

Ergebnis nach 6 Monaten Therapie

  • Tom kann wieder Auto fahren, ohne Panikattacken zu bekommen.
  • Die Flashbacks sind seltener geworden und fühlen sich weniger bedrohlich an.
  • Er schläft besser und fühlt sich insgesamt entspannter.
  • Er hat gelernt, dass er selbst Kontrolle über seine Emotionen hat.

Fazit

Dieses Beispiel zeigt, dass Traumatherapie nicht nur um das Erzählen des Traumas geht, sondern auch um körperliche und emotionale Verarbeitung. Durch Stabilisierung, gezielte Traumabearbeitung (z. B. EMDR oder Brainspotting) und Integration in den Alltag kann ein Mensch mit PTBS wieder Sicherheit und Lebensqualität gewinnen.

Über mich: Sie suchen eine Psychotherapeutin in Wien 1090 und Zwölfaxing? Mit über 25 Jahren Erfahrung in der Psychotherapie unterstütze ich Sie auf Ihrem Weg zu innerer Balance, persönlichem Wachstum und seelischem Wohlbefinden. Gerne helfe ich Ihnen bei Themen wie Depression, Trauma, Krisenbewältigung und Angststörungen weiter. Zusätzlich habe ich mich auch auf Schematherapie, systemische Familientherapie, Hypnosystemische Therapie spezialisiert und berate auch zum Thema EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). 

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